Jágrová, Klára; Stenger, Irina; Avgustinova, Tania
Polski nadal nieskomplikowany? Interkomprehensionsexperimente mit Nominalphrasen
Polnisch in Deutschland. Zeitschrift der Bundesvereinigung der Polnischlehrkräfte, 5/2017, pp. 20-37, 2018.
Dieser Beitrag fasst die Ergebnisse eines webbasierten Experiments zusammen, das die empirische Auswertung unserer in Jágrová u.a. 2016 aufgestellten Hypothesen bezüglich bestimmter Prädiktoren sprachübergreifender Verständlichkeit von Internationalismenvokabular ermöglicht. Somit stellt er eine Fortsetzung dieser vorhergehenden Studie zur vergleichenden Bestimmung der lexikalischen (wortschatzbezogenen) und orthographischen (verschriftlichungsbedingten) Distanz der 100 häufigsten polnischen Substantive dar. Die Weiterführung der zitierten Studie besteht darin, dass (i) zu den dort aufgeführten Substantiven noch die 100 häufigsten Adjektive genommen werden und (ii) die zuvor gemessenen sprachfamilienübergreifenden orthographischen Distanzen mit Verständlichkeitsergebnissen aus Experimenten verglichen werden, um die Prädiktoren für die eigentliche Verstehbarkeit polnischer Stimuli zu präzisieren. Ob die Distanzmaße tatsächlich geeignete Prädiktoren für die Interkomprehension sind, soll nun aus den Ergebnissen der Online-Experimente erkennbar sein. In den durchgeführten Experimenten wird ein Interkomprehensionsszenario approximiert, bei dem Lesende mit Deutsch als Erstsprache (L1) versuchen Polnisch zu verstehen – eine Situation, wie sie auch zu Beginn des Polnischunterrichts an deutschen Bildungseinrichtungen auftreten
könnte.
In der vorhergehenden Studie wurde anhand der 100 häufigsten Substantive die lexikalische und orthographische Distanz des Polnischen zu anderen Sprachen berechnet. Die Distanzen sollen Prädiktoren dafür sein, wie gut das Polnische von Lesenden mit entsprechenden sprachlichen Voraussetzungen auf Anhieb verstanden werden kann. Zwischen dem Polnischen und dem Deutschen wurden eine lexikalische Distanz von 66 % und eine orthographische Distanz der Kognaten (= etymologisch verwandten Wörter mit gleicher Wurzel) in der Liste von 47 % kalkuliert (Jágrová u.a. 2016, 10). Dies bedeutet sinngemäß, dass deutschsprachige Lesende von diesen 100 Substantiven 66 mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht verstehen würden und von den restlichen 44 Kognaten 47 % trotz gemeinsamer Etymologie und Bedeutung für sie nicht erschließbar wären. Unter diesen 44 Kognaten befinden sich Internationalismen, z.B. informacja ‚Information’, sowie Wörter mit gemeinsamer indoeuropäischer Etymologie, z.B. matka ‚Mutter’ oder Lehnwörter aus dem Deutschen, z.B. gmina ‚Gemeinde’. In dieser Studie wurde zu diesen Kognaten durch zusätzliche Adjektive ein limitierter Kontext in Form von Nominalphrasen (NPs) hergestellt.